Kurze Geschichte des Fechtsports

Historisches fechten im Mittelalter

Vergleichsweise zäh: Fechten früher so

Die frühesten Formen sportlichen Fechtens wurden bereits in der griechischen und römischen Antike betrieben, blieben aber Nebenschauplätze. Bis ins 17. Jahrhundert war Fechten in erster Linie ein blutiger, oft tödlich endender Kampf zweier Personen mit Blankwaffen und Handschutz, der sich mit der Entwicklung brauchbarer Handfeuerwaffen bald als militärisch ineffektiv erwies. In der Folge widmeten sich Fechtkämpfe vorrangig zivilen Streitereien, zunächst exklusiv unter Adligen, denen das Tragen von Waffen und das Recht (oder eher die Pflicht) des Ehrenhandels in Form von Duellen vorbehalten blieb, bis sich das aufstrebende Bürgertum emanzipierte und dieselben Rechte wie der Adel beanspruchte. Da diese vergleichsweise modernen Streithähne nur moderat oder gar nicht gepanzert zum Kampf erschienen, wurden die Waffen beträchtlich leichter und agiler. Zwar sahen sich gekränkte Herren noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts genötigt, mittels Duellen Satisfaktion zu erfahren, auch sie gingen aber nach und nach dazu über, aufeinander zu schießen.

Tübinger Mensur, ein Mitglied des Corps Suevia (links) gegen einen Burschenschafter (rechts), Stammbuchblatt 1822

Tübinger Mensur, ein Mitglied des Corps Suevia (links) gegen einen Burschenschafter (rechts), Stammbuchblatt 1822

Eine zumindest entfernt sportähnliche Bedeutung kommt in einigen mitteleuropäischen Ländern dem universitären Fechten zu, der Mensur. Dabei geht es allerdings weder um Feindschaft noch um Gewinnen oder Verlieren, sondern um die Überwindung von Furcht. Der Schmiss als Ausweis tapferen Nicht-Zurückweichens zählt in schlagenden Verbindungen auch im 21. Jahrhundert für manche noch zu den begehrenswerten Gesichtszierden.

Fast wie heute: Bewegungsstudie zweier Sportfechter 1887 in Pennsylvania

Das Sportfechten heutiger Form kam erst im 19. Jahrhundert allmählich in die Gänge, in Deutschland stark begünstigt von der sich formierenden Turnerbewegung. Der erste deutsche Fechtklub wurde 1862 in Hannover gegründet, bis zu den ersten deutschen Meisterschaften dauerte es indessen noch satte 34 Jahre. Ungefähr zeitgleich reformierte der Italiener Luigi Barbasetti den Fechtsport im deutschen Sprachraum durch die Einführung der „modernen italienischen Fechtmethode“, mit der die bisherige französische Methode abgelöst wurde. Im Wesentlichen bestanden die Neuerungen auf der Loslösung von der festen Mensur und der dadurch verbesserten Beinarbeit, sowie Finten, Battuten, „zusammengesetzten Angriffen“ und dem „Hauptaugenmerk auf die Parade-Riposte bei der Verteidigung“. Dieser Fechtstil ist bis heute international gültig.

Olympisches Gefecht bei den Sommerspielen 1912 in Stockholm

Olympisches Gefecht bei den Sommerspielen 1912 in Stockholm

Niederländische Damenmannschaft der Olympischen Spiele 1960 in Rom

Niederländische Damenmannschaft der Olympischen Spiele 1960 in Rom, bei einem Fototermin in Rotterdam

Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit fanden 1896 in Athen statt, sie beschränkten sich auf bescheidene neun Sportarten, eine davon das Fechten. Frauen fochten erstmals 1924 bei Olympia – allerdings nur Florett. Bis Mitte der 1980er-Jahre waren Degen und Säbel ausschließlich Männern vorbehalten. Seither hat aber der Damendegen – 1996 in Atlanta erstmals olympisch – eine rasante Entwicklung durchlaufen. Dasselbe gilt für den seit der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre eingeführten Damensäbel, der 2004 in Athen „olympisch“ wurde.

Die drei Waffen im Fechtsport – Florett, Degen und Säbel – unterscheiden sich in Aussehen, Gewicht und Reglement. Deshalb ist für jede Waffe eine charakteristische Fechtweise zu beobachten, und Spitzenfechter spezialisieren sich auf eine Waffe. Eines ist jedoch allen drei Disziplinen gemeinsam: Fechtsport erfordert wie alle Kampfsportarten große körperliche Fitness, da man ständig in Bewegung und unter Körperspannung bleiben muss, um jederzeit in Sekundenbruchteilen auf Aktionen des Gegners zu reagieren und dessen Fehler auszunutzen. Auch an die Konzentration stellt Fechten deshalb hohe Ansprüche. Ebenso schult das Fechttraining Reaktionsfähigkeit und Feinmotorik der Athleten, weil nur schnelle und zugleich kleine Bewegungen sicheres und exaktes Treffen ermöglichen.

David Berthold

David Berthold

Ich bin froh, diesen Sport ausüben zu dürfen. Dem Gegner von Angesicht zu Angesicht mit Respekt gegenüber zu stehen. Das ist es, was Sportfechten für mich ausmacht.

Johannes Berthold

Johannes Berthold

Fechtlehrer / Fachsportlehrer Fechten

Meine große Freude ist es, die über 30 Jahre an Erfahrungen in diesem wunderschönen (Kampf)Sport, welche ich erwerben durfte, an meine Schülerinnen und Schüler weiterzugeben.

Jana Cichecki

Jana Cichecki

Jugendwartin

Ich habe mit dem Fechten angefangen weil ich keinen typischen Sport machen wollte und es mich fasziniert hat. Mit den Jahren habe ich nicht nur sportlich, sondern auch menschlich viel dazu gelernt. Fechten ist eine Lebensart!